WS 2020/21

RESOZIALISIERUNG. Zum Erbe einer ‹Sozialistischen Moderne›

Vortragsreihe der Professur NB (Prof. Putz) und des Lehrstuhl RKK (Prof. Danzl)
im Rahmen des
Forschungsnetzwerkes REUSED, 2 SWS / 3 ECTS

Seit Sommer 2018 erstellen ICOMOS Deutschland und die TUM zusammen mit lokalen PartnerInnen der Buzludzha Project Foundation um Dora Ivanova einen Denkmalpflegeplan für das Buzludzha-Denkmal in Bulgarien. Gefördert durch das Programm Keeping it Modern der Getty Foundation haben mittlerweile eine Untersuchungs- und eine Notsicherungskampagne sowie wiederholt Ortstermine des Advisory Boards stattgefunden. Es ist deshalb an der Zeit, gemeinsam mit Ihnen die bisherigen Erfahrungen und Erfolge zu reflektieren sowie den kritischen Umgang mit dem Erbe einer ‹Sozialistischen Moderne› in einem weiteren Kontext zu diskutieren.

Zweifellos sind es politisch wie ideologisch höchst umstrittene Hinterlassenschaften, welche auf vielfache Weise Fragen der nationalen und kulturellen Identität berühren. Dies werden wir gemeinsam mit ReferentInnen aus Bulgarien und Kroatien, aber auch in Bezug auf aktuelle Transformationsprozesse in Usbekistan herausarbeiten. Dabei handelt es sich um ein bauliches und kulturelles Erbe, das keineswegs auf Regionen jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs beschränkt ist. Vielmehr gilt es, internationale Verflechtungen aufzuzeigen und bewusst zu machen – die etwa ein Wandbild in Erfurt mit Spanien und ein Denkmal des Kommunismus auf dem Balkan mit Österreich verbinden oder aber einen tschechischen Typenbau in den Hamburger Hafen verschlagen haben. Kosmopolitisch waren aber nicht nur die Entstehungszusammenhänge dieses modernen Erbes, sondern sind, wie unser Engagement in Bulgarien zeigt, auch die heutigen Bemühungen um seine Bewahrung. Dabei geht es nicht allein um die praktischen Herausforderungen der Erhaltung, sondern auch darum, wie der Wissenstransfer über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg gelingen könnte. Denn schließlich entsteht geteiltes Erbe – shared heritage – aus dem Bewusstsein geteilter Verantwortung.

Die Vorträge der Reihe umfassen also Fragen der Architekturgeschichte und der Konstruktion kultureller Identität ebenso wie denkmalpflegerische Fragen der Erhaltung und Vermittlung eines nahen und doch fremden Erbes. Im anschließenden Gespräch mit den ReferentInnen sollen konkrete Einzelthemen der Erhaltung und Denkmalpflege in den jeweiligen Ländern ebenso diskutiert werden wie bereits gewonnene Erkenntnisse zum Umgang mit dem Baubestand des letzten Jahrhunderts.

Termine:
Online-Vorträge jeweils Dienstags 19:00 Uhr, via Zoom-Webinar (ID 964 6754 6300)

10. Nov. 20:  Einfühung und Podiumsdiskussion mit Andreas Putz, Thomas Danzl und Gästen
24. Nov. 20:  Jens Jordan – Taschkent und Usbekistan
08. Dez. 20:  Oliver Sukrow – Das Wandbild von Josep Renau in Erfurt
12. Jan. 21:  Marko Špikić – Zagreb und Croatia
26. Jan. 21:  Aneta Vasileva, Emilia Kaleva – Buzludzha and Bulgaria I
09. Feb. 21:  Thomas Danzl – Buzludzha und Bulgarien II

Abgabe Prüfungsleistung digital: 23.Februar 2021

Für die Teilnahme an der Vortragsreihe wird um Registrierung (Studierende und Gäste) unter folgendem Link gebeten:
https://tum-conf.zoom.us/webinar/register/WN_fKqPBd_wQcuLdxedyU7yqw

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Dipl. Arch. ETH Monika Isler Binz (monika.isler@tum.de)

 

 

 

SS 2020

MIES UND DIE ANDEREN. Lernen aus dem Umgang mit der Moderne

Vortragsreihe der Professur NB (Prof. Putz) und des Lehrstuhl RKK (Prof. Danzl)
im Rahmen des  Forschungsnetzwerkes REUSED. , 2 SWS / 3 ECTS

In Fortsetzung der Vortragsreihe der vergangenen Semester rücken wir diesmal das materielle Erbe und die geistigen Erben Mies van der Rohes in den Fokus. Anlass ist der anstehende Abschluss der Grundinstandsetzung der Neuen Nationalgalerie in Berlin durch David Chipperfield Architects. Wird die Ikone der Nachkriegsarchitektur auch zum Leitbild des Umgangs mit dem jüngeren Bauerbe des letzten Jahrhunderts? Sollten sich die Lehren aus diesem Projekt überhaupt übertragen lassen?

Jenseits der großen Meisterwerke hat Mies van der Rohe durch breite Rezeption tiefe Spuren in der Architektur der Bundesrepublik hinterlassen. In die Jahre gekommen und aufgegeben, sind diese Bauten oftmals nur noch von eher regionaler Bedeutung. Zu Recht? Wie erhalten wir diese Bauwerke, und das ihnen innewohnende Bestreben nach konstruktiver Ehrlichkeit, technischer Funktionalität, materieller Raffinesse, klaren Ordnungsprinzipien, aber auch Weltgewandtheit und Zukunftsfähigkeit?

Die Vorträge der Reihe umfassen das weite Feld von der Mies Rezeption in der deutschen Nachkriegsarchitektur bis zu den heutigen Herausforderungen der Erhaltung dieses baulichen Erbes. Sie fragen auch nach der Bedeutung von Leitbauten für Architektur und Denkmalpflege. Im anschließenden Gespräch sollen konkrete Einzelthemen der Erhaltung und Denkmalpflege ebenso diskutiert werden wie allgemeine Erkenntnisse für den Umgang mit dem Baubestand des letzten Jahrhunderts.
 

PROGRAMM
Vorträge jeweils 19:00 Uhr , Zoom Meeting ID 975-6712-8908

12. Mai 2020   Daniel Lohmann
                        Mies im Westen. Architektonische Re-Importe im Nordrhein-Westfalen der Nachkriegszeit

26. Mai 2020   Bernd Rodrian
                        Billen Pavillon, Wolfsburg. Möglichkeitsraum und eindrucksvolles Baudenkmal

16. Juni 2020  Andreas Schwarting
                        Bauen nach dem Bauhaus. Der Mies-Schüler Hermann Blomeier

30. Juni 2020  Wolfgang Salcher
                        21er Haus, Wien

14. Juli 2020   Martin Reichert
                       Skin and Bones. Die Grundinstandsetzung Neue Nationalgalerie, Berlin
 

VERANSTALTUNGSHINWEIS
Bis auf Weiteres findet die Vortragsreihe MIES UND DIE ANDEREN online via Zoom statt. Die Teilnehmerzahl ist aus Kapazitätsgründen begrenzt. Eine einmalige Registrierung ist notwendig, damit Ihnen das Passwort für alle Vorträge mitgeteilt werden kann. Bitte senden Sie eine E-Mail mit Ihrem Namen und dem Betreff "Registrierung" an miesunddieanderen@nb.ar.tum.de. Ihre E-Mail-Adresse wird zu keinem anderen Zweck als dem genannten verwendet und nach Ende der Vortragsreihe gelöscht.
Studierende, die in TUMonline als Teilnehmer des Kurses gelistet sind, brauchen sich nicht gesondert zu registrieren.


Für alle, die noch nicht genug haben von Mies, folgende Hinweise:

Jean-Louis Cohen hält diesen Sommer seine Vorlesung am Collège de France zu Mies van der Rohe et la construction de la métropole, de Berlin à Chicago. Die Vorträge sind online abrufbar: 
https://www.college-de-france.fr/site/jean-louis-cohen/course-2019-2020.htm

Der 50. Todestag von Ludwig Mies van der Rohe wird auch in Portugal bedacht. Wer vom 1. bis 21. Juni in Porto sein sollte, kann in der Casa des Artes die Ausstellung Mies van der Rohe: Un’idea di Città besuchenDie Ausstellung ist hauptsächlich seiner amerikanischen Phase gewidmet und hebt seine Gestaltungen öffentlicher Plätze in der modernen Stadt hervor. Sie wird begleitet von Vorträgen u.a. von Ana Tostões, Peter Forbes, Fritz Neumeyer,  Johannes Robbrecht und Mark Sexton:

https://sigarra.up.pt/faup/en/NOTICIAS_GERAL.VER_NOTICIA?p_nr=59482

 

 

Publikation unserer Vortragsreihe

Winterheft 20/1 von moderneREGIONAL zur Vortragsreihe "über das neue bauen hinaus. lernen aus dem umgang mit der moderne"

In den vergangenen Monaten wurde das Neue Bauen entlang seiner Ikonen gefeiert - von den Dessauer Projekten eines Walter Gropius bis zum Potsdamer Einsteinturm eines Erich Mendelssohn. Über ihren künstlerischen Wert hinaus verweisen diese Beispiele aber vor allem aufden denkmalpflegerischen Umgang mit dem Erbe der Moderne. Dabei musste unser Bild einervorgeblich „weißen Moderne“ vielfach auf den Prüfstand gestellt werden. Das mR-Winterheft 2020 "Moderne lernen" (Redaktion: Andreas Putz) fragt daher nach der Sanierung der Sanierung. Die Beiträge dieses Heftes beruhen auf dem ersten Teil der Vortragsreihe "über das neue bauenhinaus" im Sommersemester 2019 an der TU München, bereichert durch ein späteres Interview mit dem Architekten Jochem Jourdan.

Ein Heft von moderneREGIONAL in Kooperation mit der TU München und der Wüstenrot Stiftung. Heftredaktion: Andreas Putz; Herausgeber: Karin Berkemann; redaktionelle Mitarbeit: Maximilian Kraemer, Peter Liptau, Johannes Medebach, Anja Runkel.

ganzes Heft als PDF

 

 

WS 2019/20

über das neue bauen hinaus. lernen aus dem umgang mit der moderne

Fortsetzung der Vortragsreihe der Professur NB (Prof. Putz) und des Lehrstuhl RKK (Prof. Danzl)
im Rahmen des Forschungsnetzwerkes REUSED, 2 SWS / 3 ECTS


Die allgemeine Vorstellung der modernen Architektur wird geprägt von einer Reihe ikonischer Bauwerke, über die man schon alles zu wissen glaubt. Von Bedeutung sind diese Objekte jedoch nicht nur als architekturhistorische Zeugnisse. Unser Interesse liegt in den Bemühungen zu Erhaltung des baulichen Erbes der Moderne, die wir an beispielhaften Projekten der letzten Jahrzehnte nachvollziehen und diskutieren wollen. Der Umgang mit diesem Erbe hat unser Bild der ‚klassischen Moderne‘ vielfach verändert. Ihre Erhaltung initiierte eine erneute, kritische Auseinandersetzung mit der Architektur der Moderne; beförderte aber auch ihre positive Wertung und öffentliche Aneignung.

Vor welchen planerischen, konstruktiven und denkmalpflegerischen Herausforderungen stand man bei der Instandsetzung und Restaurierung? Welche neuen Erkenntnisse haben sich aus dem baulichen Umgang mit den Objekten ergeben? Wie dauerhaft oder erfolgreich haben sich einzelne Maßnahmen erwiesen? Was lässt sich auf den Umgang mit dem baulichen Erbe der jüngeren Vergangenheit übertragen, und was nicht?

Kurze baugeschichtliche Einführungen stellen die jeweiligen Objekte vor und leiten die Gastvorträge ein. Im anschließenden Gespräch sollen konkrete Einzelfragen der Erhaltung und Denkmalpflege ebenso diskutiert werden wie allgemeine Erkenntnisse für den Umgang mit dem Bauerbe des letzten Jahrhunderts.


dienstags, 18:45 – 20:15 Uhr
Raum 2350 (Alte Architekturbibliothek), Ecke Gabelsbergerstr./Luisenstr. (Thierschbau), 2.OG

29. Oktober         Andreas Putz   (A Tale of Two Towers)
                            anschließend: Release der Zeitschrift "halten, Beiträge zum neueren Bauerbe" 01/2019  

26. November     Julia Feldtkeller   (Nationaltheater Mannheim) - nur hier Raumänderung: HS 1400 !

10. Dezember     Felix Wellnitz   (Haus Schminke, Löbau)

17. Dezember     Wolfgang Frey   (Neue Nationalgalerie, Berlin)

14. Januar          Claudia Mohn   (Werkbundsiedlung Weißenhof, Stuttgart)

28. Januar          Claudia Devaux   (Villa E-1027, Roquebrunne-Cap-Martin)

 

 

SS 2019

über das neue bauen hinaus. lernen aus dem umgang mit der moderne

Vortragsreihe der Professur NB und des Lehrstuhls RKK, 2 SWS / 3 ECTS



Die allgemeine Vorstellung der modernen Architektur der Zwischenkriegszeit wird geprägt durch eine Reihe ikonischer Bauwerke. Sicherlich dazu gehören Walter Gropius Bauten des Bauhaus in Dessau, oder Mies van der Rohes Haus Tugendhat in Brünn. Zum anerkannten Erbe des Neuen Bauen gehören auch die Bauten Erich Mendelsohns, sowie die keinesfalls mehr unbekannten Beispiele einer ‚anderen‘ Moderne, etwa O. R. Salvisbergs Maschinenlaboratorium der ETH Zürich.

Bedeutsam und von Interesse sind diese Objekte jedoch nicht nur als architekturhistorische Zeugnisse ihrer Entstehungszeit, sie verweisen auch auf beispielhafte Projekte denkmalpflegerischen Umgangs mit dem baulichen Erbe der Moderne in den letzten Jahrzehnten.
Eine Besonderheit dieser Projekte ist, dass sie unser Bild der ‚klassischen Moderne‘ vielfach verändert haben. Jedenfalls initiierten ihre Erhaltung eine erneute, kritische Auseinandersetzung mit der Architektur der Zwischenkriegszeit; wie sie auch ihre positive Wertung und öffentliche Aneignung beförderten, die aktuell im Bauhausjahr kulminiert.

Vor welchen planerischen, gestalterischen, konstruktiven und denkmalpflegerischen Herausforderungen stand man bei der Instandsetzung und Restaurierung? Welche neuen Erkenntnisse haben sich aus dem baulichen Umgang mit den Objekten ergeben? Welche Lehren können aus diesen Projekten für die Zukunft gezogen werden? Wie dauerhaft oder erfolgreich haben sich einzelne Maßnahmen erwiesen? Was lässt sich auf den Umgang mit dem baulichen Erbe der Nachkriegszeit übertragen, und was nicht?

Kurze baugeschichtliche Einführungen stellen die jeweiligen Objekte vor und leiten die Gastvorträge ein, die die Instandsetzung- und Restaurierungsprojekte vorstellen. Im anschließenden Gespräch sollen konkrete Einzelfragen der Erhaltung und Denkmalpflege ebenso diskutiert werden wie allgemeine Erkenntnisse für den Umgang mit dem bedeutsamen Bauerbe des letzten Jahrhunderts.

 

Dienstags, 18:30 - 20:00 Uhr , HS 2370

30. April    Ivo Hammer   (Haus Tugendhat, Brünn)

14. Mai     Helge Pitz  (Einsteinturm, Potsdam)

28. Mai     Antrittsvorlesung Prof. Dr. Andreas Putz

4. Juni      Antrittsvorlesung Prof. Dr. phil. Thomas Danzl

18. Juni    Winfried Brenne  (Meisterhäuser, Dessau)

9. Juli       Berthold Burkhardt  (Arbeitsamt, Dessau)

16. Juli     Monika Markgraf  (Bauhaus, Dessau)

23. Juli     Theresia Gürtler Berger  (Maschinenlaboratorium, Zürich)

 

 


farbe als baumaterial. die rekonstruktion der flächenfarbigkeit am bauhaus 1998 - 2019

Antrittsvorlesung Prof. Dr. Thomas Danzl


Farbe am Bauhaus? In den neunziger Jahren noch ein Mythos der Kunst- und Architekturgeschichte - scheinbar ohne materielle Grundlage. Seither hat sich die kunst- und materialtechnische Kenntnis zu diesem Thema nicht nur enorm erweitert, sondern auch die konservatorischen und restauratorischen Methoden und Herausforderungen haben sich stetig weiter entwickelt.

Anhand der maltechnischen Rekonstruktionen der "Flächenfarbigkeit" an Bauten des Bauhauses Dessau sollen Ergebnisse restauratorischer Arbeit im interdisziplinären Kontext erörtert werden.

Ort:
Hörsaal 2370

Termin: 04.Juni 2019, 18:30 – 20:00





das denkmal als baustelle

Antrittsvorlesung Prof. Dr. Andreas Putz


Ob ein bestehendes Bauwerk nach einem baulichen Eingriff noch als Denkmal angesehen werden kann, entscheidet sich daran, wie die jeweilige Auseinandersetzung damit bewertet wird. Dabei hat jede baudenkmalpflegerische Maßnahme den Widerspruch auszuhalten, dass man ein Bauwerk erhalten will, indem man es verändert. Potential und Begründung baulicher Erhaltung liegt dabei weniger im Bewahren des Vertrauten, als im Erkennen des im Bestand Verborgenen und im Lernen aus dem Umgang damit.

Ausgehend von persönlichen Erinnerungen an den Umbau und die Instandsetzung des ehemaligen Kaufhaus Schocken in Chemnitz ist nach geeigneten Kriterien der Bewertung von Bauerhaltung und Baudenkmalpflege zu fragen. Als fortlaufende Auseinandersetzung, Reflexion und Kritik bestand das historische Potential der Baudenkmalpflege stets darin, das Fach und die Praxis der Architektur immer wieder neu zu denken. Auf die Perspektiven einer Neueren Baudenkmalpflege soll daher abschliessend verwiesen werden.

Ort: Hörsaal 2370

Termin: 28. Mai 2018, 18:30 - 20:00