Lehre

Die vom Lehrstuhl angebotenen Veranstaltungen sind im BA- und MA-Studium in breiter Verteilung im Curriculum sowohl als Pflichtfächer, als auch als Wahlpflicht- und als Wahlfächer verankert. Die Fächer sind als solche festgelegt, werden aber in den jeweiligen Semestern mit unterschiedlichen Themen angeboten. Die Vorlesungen erschließen in der Regel umfangreichere Teilbereiche der Architektur-, Kunst- und Designgeschichte unter spezifischen Fragestellungen, während in den Seminaren exemplarisch ausgewählte Themen vertieft werden. Die Arbeit in den Seminarveranstaltungen beruht vor allem auf Referaten und auf der gemeinsamen Diskussion und bietet so dem Engagement der Studierenden breiten Raum. Wir sind bestrebt, einzelne Fächer in der Kooperation mit anderen Lehrstühlen der Fakultät anzubieten. Es besteht die Möglichkeit, sowohl im Bachelorstudium als auch insbesondere im Masterstudium Theorieprojekte äquivalent zu den Entwürfen mit jeweils entsprechender Kreditierung (9 bzw. 15 ECTS) individuell zu verabreden.

Es hat sich seit der Einführung des Masterstudiengangs Architektur als äußerst produktiv erwiesen, dass einzelne Studierende ihren Master-Entwurf in der Kooperation zwischen unserem Lehrstuhl und einem Entwurfs-Lehrstuhl mit einer theoretischen Ausarbeitung des Entwurfsproblems kombinieren. Daher sind Studierende, die sich auf eine solche Zusammenarbeit einlassen möchten, herzlich willkommen!

 

Übersicht über das Fächerangebot des Lehrstuhls

Bachelorstudiengang Architektur

Pflichtmodul 13P: VL Geschichte und Theorie von Architektur, Kunst und Design - nur WS (2 SWS, 3 ECTS)
Pflichtmodul 28P: Übung Kunstgeschichte - WS/SS (2 SWS, 3 ECTS) 
Wahlpflichtfach 25WP: Geschichte, Theorie und Denkmalpflege - WS/SS (Modulbestandteil Architekturgeschichtliche Übungen; 7./8. Sem BA)

In individueller Themenabsprache Theorieprojekt (äquivalent zum Entwurf 9 ECTS)

Masterstudiengang Architektur

Schwerpunkt: Nachhaltiges Bauen / Bauen im Bestand / Baukunst
Pflichtmodul 2P Geschichte der Architekturtheorie - nur WS,   (2 SWS, 3 ECTS)
Wahlmodulkatalog: Lektürekurs zur Architekturtheorie - WS/SS,  (4 SWS, 6 ECTS)

In individueller Themenabsprache Theorieprojekt (äquivalent zum Entwurf 15 ECTS)

Restaurierung Masterstudiengang

Pflichtmodul Kunstgeschichte - SS (2SWS, 3 ECTS)

Wozu Architekturgeschichte im Architekturstudium? Einige Thesen

von Dietrich Erben

 

Das kognitive Argument
Denken beruht auf Vergleich. Jede kognitive Leistung ist eine Vergleichsleistung, und erst durch Analogiebildungen erarbeiten wir Wissensstrukturen und entwickeln Bedeutungen. In der Wahrnehmung werden das Neue und das bereits Bekannte assimiliert. All dies gilt auch für visuelle Artefakte wie Gebäude. Bei ihrer Betrachtung tritt das aktuell Gesehene mit der Erinnerung an das früher Gesehene in Beziehung. Architekturgeschichte ist ein Speicher der Erinnerung an die Architektur, die auch den Blick auf unsere aktuelle Umgebung prägt.

Das wissenschaftstheoretische Argument
Der Sinn der Wissenschaft besteht in der Vermehrung des Wissens und in der Reflexion der Kontexte von Wissensproduktion. Also besteht auch der Sinn der Architekturgeschichte in der Vermehrung des Wissens über die Architektur und im Nachdenken darüber, wie dieses Wissen zustande kommt. Da der Wissensdrang Teil der menschlichen Kultur ist, bedarf Wissensvermehrung nicht einer zweckrationalen Rechtfertigung – etwa im Sinne der Behauptung: „Geschichte ist nur relevant, wenn sie für die Gegenwart klüger macht.“ Diese Zweckfreiheit gilt auch für die Wissensvermehrung in der Architekturgeschichte.

Das wissenschaftssoziologische Argument
Vertreter eines Faches reden meistens für Vertreter des eigenen Faches. Architekten reden für Architekten, Kunsthistoriker für Kunsthistoriker. Die Beteiligten reden in eigener Sache. Wenn jedoch Kunsthistoriker zu Architekten über Architekturgeschichte reden, wird diese Konstellation durchkreuzt. Kunsthistoriker sind eher im Stande, systemkritische Fremdbeschreibungen von der Architektur zu geben, während Architekten meistens von der Architektur systemloyale Selbstbeschreibungen geben.

Das methodische Argument
Ein fruchtbarer Ansatz für Lösungen von aktuellen Bauproblemen lässt sich nur am konkre-ten Gegenstand, an dem sich Fragen und vielleicht auch Antworten formulieren lassen, entwickeln. Bei Feststellungen allgemeiner Art – wie z.B. „Architektur dient dem Menschen“, „Funktion und Form bedingen sich“ – handelt es sich ohne konkreten Bezug um Klischees, die keine Antworten auf konkrete Probleme ermöglichen. Da jeder konkrete Gegenstand in seinem Entstehungsprozess zumindest vorläufig abgeschlossen ist, ist er auch ein historischer Gegenstand der Architekturgeschichte.

Das praktische Argument
Verstehen heißt stets, das Verstehen in Worte fassen zu können. Das Verstehen von Architektur bedeutet über eine genießerische ästhetische Reaktion hinaus einen komplizierten Prozess der Aneignung: Das Gesehene wird in Sprache übersetzt und damit zugleich systematisiert. Architekturgeschichte ist – wie die Kunstgeschichte allgemein – als historische Disziplin, die auf Texten basiert, dazu geeignet, zu diesem sprachlich begründeten Verstehen anzuleiten. Architekturgeschichte ist eine Instanz der Qualitätssicherung von zeitgenössischer Architektur.

Das humanistische Argument
Die Architektur ist wie Sprache oder Musik eine komplexe, unverzichtbare und unvermeid-bare Kulturtechnik des Menschen. Dieser Ausdruck der menschlichen Kultur ist aus Humanität begründet, die ihrerseits auf der Autonomie des Menschen basiert. Die Beschäftigung mit Architekturgeschichte verfeinert die Aufnahmefähigkeit und erweitert die Möglichkeiten produktiven Denkens. Architekturgeschichte befördert den Respekt vor den Gestaltungsleistungen früherer Architekten, relativiert die Selbstüberschätzung bei der eigenen Entwurfsarbeit und schärft das Qualitätsurteil für das Gebaute.  

Das gesellschaftskritische Argument
Gesellschaftliche Verhältnisse sind historisch bedingt und unterliegen dem geschichtlichen Wandel. Geschichte relativiert nicht nur die eigene Gegenwart, sondern eröffnet auch Perspektiven auf deren Veränderbarkeit. Architektur ist der materielle Ausdruck einer Gesellschaft, deren Mitglieder sich ihre Bauten errichten und mit denen sie umgehen. Daher leistet Architekturgeschichte einen Beitrag zum Verständnis der Gesellschaft und zu den Möglichkeiten ihrer zukünftigen Gestaltung.