Forschungsfelder Professur für Urban Design

Die Forschung an der Professur bewegt sich in vier Themenfeldern: „The Power of Conditions“, „The City of the Great Acceleration“, „The Cooperative City“ und „Infrastructures of the New Everyday“. Jedes Forschungsprojekt und jede Dissertation wird schwergewichtig einem der Themenfelder zugeordnet. Es wird aber explizit gefördert, dass sich Arbeiten auf den Schnittpunkten der Felder bewegen.
Momentan sind mehrere Forschungsprojekte und -anträge in Arbeit. Potenzielle Dissertationen und Forschungsarbeiten bzw. Anfragen von Gastforschern und Gastforscherinnen sollten sich möglichst auf eines oder mehrere der Themenfelder beziehen.

The Cooperative City

Gegenwärtig spielen in den meisten Metropolen der Welt genossenschaftliche bzw. kooperative Projekte eine untergeordnete Rolle in der Stadtentwicklung. Bestehende Projekte zeigen durch Ihren gemeinschaftlichen Ansatz, dass Sie eine große Bedeutung für die Zukunft haben könnten, da sie ressourcensparende und egalitäre Lebensstile begünstigen können. Wir stellen uns daher die Frage, wie entsprechende Pionierprojekte gefördert werden können, welche konkreten Auswirkungen sie auf den städtischen Raum haben, und wie der kooperative Gedanke mit anderen Disziplinen, Themen und Maßstäben verbunden, sowie inter- und transdisziplinär erforscht werden kann.

Die Forschung an der Professur nähert sich dem Thema unter Anderem im Rahmen von Entwurfsstudios (Urban Design Research Studios). In diesen werden Situationen untersucht, in denen Transformationschancen zu vermuten sind. Über die Studios, aber auch Seminare, werden konkrete Erkenntnisse über kooperative Planungen gewonnen. Vertiefende Forschungen sind mit den Studios verknüpft, welche Bedingungen Pionierprojekte im urbanen Umfeld begünstigen und welche diese Entwicklungen bremsen. Zudem ist es das Ziel langfristige Interventionen aufzubauen, die unter Beteiligung von Studierenden und beteiligten Akteuren in realen Veränderungen vor Ort resultieren. Aus der Kombination der Forschungen mit Versuchen im Sinne eines Reallabors sollen sich zudem praktische, übertragbare Handlungsanweisungen für öffentliche Institutionen ergeben.

Kontakt: Isabel Glogar

The City of the Great Acceleration

Die Epoche der „Großen Beschleunigung“, mit der die Entwicklung unserer Städte seit dem zweiten Weltkrieg bezeichnet wird, hat den Großteil der baulichen Strukturen hervorgebracht, mit denen wir heute konfrontiert sind – und die Probleme, die durch uns zu lösen sind. Insbesondere die städtebaulichen und architektonischen Strukturen der 1950er und 1960er Jahre sind in europäischen Städten ein aktuelles Thema, das seit der Jahrtausendwende stetig an Dynamik gewinnt: Der Umbau dieser Substanz ist unerlässlich. Interessant ist in diesem Kontext, dass diese Architektur – entstanden am Beginn der Großen Beschleunigung – viele Charakteristika hat, die heute aktuell sind, beispielsweise eine niedrige Wohnfläche pro Person oder recycelte Baumaterialien. Der Umbau dieser Strukturen kann also auch über die positive Rückbesinnung auf die vergleichsweise ressourcenschonende Lebensweise der Nachkriegszeit Teil gesellschaftlichen Umdenkens auf dem Weg zu einer suffizienten Haltung sein.

Der Oberbegriff der „Großen Beschleunigung“ als Beschreibung der Entwicklung seit 1945 dient aber auch dazu, den Umbau der Städte generell neu zu denken. Denn die Beschleunigung hat uns Stadtstrukturen beschert, die in Zukunft unmöglich zu halten sein werden. Wollen wir den Umbau zur resilienten Stadt sinnvoll angehen, müssen wir verstehen, welche Prozesse entschleunigt werden können bzw. müssen.

Der Aufbau neuer Stadtstrukturen, gerade auch in Ländern außerhalb der westlichen Hemisphäre, bietet die Chance, die Fehler der Großen Beschleunigung nicht zu wiederholen. 

Kontakt: Daniel Zwangsleitner

Infrastructures of the New Everyday

Technische Infrastrukturen durchdringen den urbanen Raum auf verschiedenste Art und Weise. Sie sind im konstanten Wandel begriffen, gegenwärtig insbesondere im Bezug auf die Digitalisierung. Ein Beispiel sind Flughäfen: Hier können die Auswirkungen des Lärms auf die Umwelt zunehmend so simuliert werden, dass deren Auswirkungen direkt für gesellschaftliche Verhandlungsgsprozesse nutzbar gemacht werden können. Angewandt auf andere Problemfelder könnten solche Methoden dazu dienen, die negativen Auswirkungen von beschleunigter Entwicklung sichtbar zu machen und in einen allgemeinen Diskurs einzubringen.

Kontakt: Elif Simge Fettahoglu-Özgen

The Power of Conditions

Architektur ist nicht autonom: vielmehr muss das Verständnis für externe Einflüsse – die Bedingungen – auf die bauliche Produktion geschärft werden. Vor diesem Hintergrund verfolgen wir die Hypothese, dass Architektur immer auch einem Modus, einer „Art und Weise zu arbeiten“ folgt. Dieser Modus erlaubt als Bindeglied zwischen Architektur und Städtebau Spekulationen, wie über die Bedingungen ein positiver Einfluss auf das Bauen genommen werden kann. Der Forschungsschwerpunkt „The Power of Conditions“ stellt daher insbesondere die Heteronomie als prägendes Prinzip der Architektur in den Mittelpunkt und beschäftigt sich mit spezifischen, durch starke externe Bedingungen geprägte Architekturformen. Die Forschung baut dabei insbesondere auch auf eine stärkere Verwissenschaftlichung des Diskurses über die Produktionsbedingungen der Architektur.

Kontakt: Elettra Carnelli