Lehrstuhl für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis

Ausstellung SHOW & TELL. Architekturgeschichte(n) aus der Sammlung, 2014. Foto: Markus Lanz

 

Andres Lepik ist Direktor des Architekturmuseums der TU München und gleichzeitig Inhaber des Lehrstuhls für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis.

Was hat die eine Aufgabe mit der anderen zu tun? Lassen sich diese Aufgaben in einer Person vereinen oder trennen?

Das Architekturmuseum ist von seiner Geschichte her aus einer Studiensammlung für die Studenten der Architektur hervorgegangen. Es ist daher konsequent, dass wir nun als Museum Lehre und Forschung auf der Grundlage dieser einzigartigen Sammlung weiter betreiben. Und gerade vor dem Hintergrund, dass die Frage nach der Geschichte und Theorie des Präsentierens von Architektur derzeit an vielen ähnlichen Einrichtungen neu befragt wird, wollen wir hier mit und aus der Sammlung heraus auch praktische Beiträge liefern, die diese Geschichte fortschreiben. 

Warum sollen Architekturstudenten sich mit Architekturgeschichte beschäftigen. Sollen sie das überhaupt?

Die zentralen Fragen der Architektur wie sie sich in der Gegenwart stellen, stehen auf einem Fundament von Antworten, die in der Geschichte bereits gegeben wurden. Es ist daher wichtig, die kreative und in die Zukunft gerichtete Kraft der Architekturstudenten mit einem Wissen um die Geschichte auszustatten, damit sie die Grundlage gewinnen, um überhaupt die Potenziale eigener Konzepte und Ideen in den Vergleich stellen zu können.  

Was ist unter "kuratorischer Praxis" zu verstehen. Welchen Stellenwert hat die Vermittlung von Architektur über den musealen Kontext hinaus? Gehören Studenten überhaupt zum Zielpublikum des Architekturmuseums?

Die Architekturstudenten werden über Seminare und Vorlesungen darüber erfahren, inwieweit das Planen und Kuratieren von Ausstellungen ein Teilbereich der Architektur sein kann. Zugleich können sie auch über aktive Beteiligung an den Vorbereitungen zu Ausstellungen eine Identifikation mit den Inhalten und Zielen des Ausstellens bekommen. Meiner Ansicht nach soll das Architekturmuseum ein Ort sein, an dem sich Studenten mit ihren Ideen einbringen können. 

Gibt es eine Wunschvorstellung, die Sie an den Anfang Ihrer Berufung an die Architekturfakultät gestellt haben? Ein selbsterstelltes Ziel?

Ich möchte dem Publikum des Architekturmuseums ein geändertes Verständnis von den Aufgaben und der Position der Architektur in der Gegenwart vermitteln: Gerade in der Pinakothek der Moderne mit ihren vier Sammlungen zur zeitgenössischen Kunst, Design und Graphik will ich die Architekturausstellung integrativer mit den anderen Disziplinen verbinden, damit die Besucher auch mehr das Verbindende der Disziplinen erleben. Zugleich geht es mir aber auch darum, die gesellschaftliche Dimension von Architektur sichtbar werden zu lassen.

www.architekturmuseum.de