Werkstatt Wallersdorf - Neue Ideen für den Siedlungsumbau im ländlichen Raum

THERESA FRIEDRICH / JOHANNES HEMMELMANN / JULIAN NUMBERGER
MASTERTHESIS M.SC. URBANISTIK - SOMMER 2016
Wallersdorf, Niederbayern. Eine Gemeinde im Gäuboden an der Autobahn 92 zwischen Landshut und Deggendorf, laut dem Landesentwicklungsprogramm im ländlich definierten Raum gelegen. Die gegenwärtigen Entwicklungen vor Ort produzieren jedoch Bilder und generieren Folgen, die weit jenseits der geläufigen Assoziationen ländlicher Räume liegen. Mit der Fertigstellung des zentralen Ersatzteillagers des Autoherstellers BMW mit 35.000 m2 Gebäudefläche schreitet die monostrukturelle Prägung einer Region als Warenlager fort. Megaprojekte dieser Art generieren zwangsläufig auch abseits der visuell wahrnehmbaren Parameter erhebliche, gesellschaftliche Einflüsse und Folgen. Die Kombination der spezifischen Situation Wallersdorfs mit den allgemein zu beobachtenden Herausforderungen im bayerischen, ländlichen Raum hinsichtlich Themen wie Überalterung, schwacher Innenentwicklung und alternativloser Wohnformen, war ausschlaggebend für die Frage nach Symptomen und daraus ableitbaren Zukunftsvisionen und Entwicklungsvorschlägen für Wallersdorf.

Eine unter dem Überbegriff des Siedlungsumbaus gefasste Umstrukturierung und Anpassungsphase des ländlichen Raumes an die Anforderungen einer postmodernen, transitorischen Gesellschaft muss geschehen. Siedlungsumbau geht dabei weit über die Verfügbarkeit und Herstellung diversifizierten Wohnraums hinaus und beinhaltet den gesamtheitlichen Anspruch des Einzelnen an seine Umgebung: Wohnen heisst leben und arbeiten in einer Region. Aus dieser These wird der multiskalare Ansatz der Bearbeitung dieses Themas deutlich. Optimale Infrastrukturen, eine attraktiv nutzbare (Kultur-)Landschaft und eine soziale, kulturelle und ökonomische Versorgung sind entscheidende Standortfaktoren bei der Wahl des Wohnortes. Deswegen muss der Sprung aus den eigenen vier Wänden über das Siedlungsgefüge mit all seinen Versorgungseinrichtungen bis in die Region des täglichen Erlebens gespannt werden. Der pauschal als „ländlich“ bezeichnete, die urbanen Zentren umfließende Raum bietet also große - einerseits ortsspezifische, anderseits gesamträumliche - Entwicklungschancen.

 

 

Ausgewählte Bilder

Auszeichnungen

Die Arbeit wurde mit dem Anerkennungspreis der Akademie Ländlicher Raum Bayern für den wissenschaftlichen Nachwuchs 2016-2018 ausgezeichnet.

Publikationen

Bericht im Bayerischen Rundfunk - Abendschau der Süden „Neues BMW-Verteilerzentrum Masterplan für Wallersdorf" am 18.07.2016, 17:30 Uhr

DVW Bayern e.V. (Hrsg.): Ausgezeichnet! Die ALR fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. In: Mitteilungen des DVW Bayern e.V. 3/2018. 266-274.