Lehrauftrag der Frauenbeauftragten: Fragestellungen aus Wissenschaft und Gesellschaft in Architektur und Städtebau

Lehrbeauftragte Wintersemester 2019/20: Virginie Roy und Katharina Voigt

Architekturerfahrung

Im Zentrum der Lehrveranstaltung steht die übergeordnete theoretische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Architektur. Im Sinne einer phänomenologischen Fragestellung wird dem Erleben architektonischer Räume nachgegangen. Das Verhältnis von Körper und Architektur, Mensch und Welt wird anhand der eigenen leiblichen und sinnlichen Erfahrung ebenso diskutiert wie anhand textlicher Quellen; mit der phänomenologischen Betrachtung von Architektur kommt der eigenen Körperlichkeit des Architektur-Rezipierenden besondere Bedeutung zu. Gegenstand des Seminars ist die explizite Auseinandersetzung mit Körperbildern und Körperbezogenheit in Architektur und Gesellschaft. Es werden ebenso Bezüge zu phänomenologischen Texten zur Körper- und Leiblichkeit hergestellt wie zu kunstwissenschaftlichen Positionen aus Performance und Tanz sowie zum gegenwärtigen Diskurs zu Embodiment und Enaction. Anhand ausgewählter künstlerischer Arbeiten und unter Bezugnahme auf bestimmte Bauwerke untersuchen die Studierenden eine Phänomenologie der Leiblichkeit in der Architekturerfahrung.

Die Teilnehmenden erarbeiten sich ein vertiefendes theoretisches Wissen zur Wirkung und Erfahrung architektonischer Räume sowie einen differenzierten Einblick in sensorielle, assoziative und vorreflexive Prozesse von Architekturerleben und -wahrnehmung. Ergänzend zu der textlichen und theoretischen Auseinandersetzung werden die eigene leibliche Erfahrung, körperbasiertes Raumerleben und Architekturerfahrung als ebenbürtige Gegenüber theoretischer Positionen ergänzend herangezogen. In Workshops zu Methoden des zeitgenössischen Tanzes werden die sensorielle und die taktile Wahrnehmung geschärft, die sensomotorische Raumerfahrung wird um ein vertiefendes Wissen über die eigenen Gesten und Bewegungen ergänzt. Die unmittelbare und genaue Arbeit am Text dient also ebenso als Werkzeug der Auseinandersetzung wie die eigene körperbasierte Erfahrung architektonischer Räume.