Corona-Ethnographien

Feld-Forschung in der Krise

Prof. Benedikt Boucsein

In der aktuellen Krisensituation stellt sich auch die Frage nach einer Beteiligung der durch das Virus vergleichsweise weniger gefährdeten Studentinnen und Studenten an essentiellen Stellen unseres Versorgungssystems. Zum Beispiel als ErntehelferInnen, da die SaisonarbeiterInnen nicht mehr über die Grenze kommen, als FahrerInnen von Behindertentaxis, da die eigentlichen Freiwilligen oft selber stark durch das Corona-Virus gefährdet sind, oder auch um Essen für Obdachlose einzusammeln bzw. an sie auszugeben. Manche StudentInnen müssen zudem in der aktuellen Situation aus finanziellen Gründen im Semester Tätigkeiten ausführen, die meist schlechter bezahlt sind als ihre regulären Jobs, jedoch die Möglichkeit mit sich bringen, sich in die Gesellschaft einzubringen.

Wir wollen uns dieser Realität nicht verschließen, und wir sehen in ihr eine Gelegenheit zur Feldforschung. So kann eine Tätigkeit im Landwirtschaftssektor ein tieferes Verständnis der Verbindung zwischen Land und Stadt erzeugen und gewisse Aspekte hinterfragen helfen. Und eine Tätigkeit für Behindertentaxis kann die Wahrnehmung dafür schärfen, wie diese spezifische Gruppe den Stadtraum wahrnimmt und welche Hindernisse ihr gerade auch in der aktuellen Situation in den Weg gelegt werden. Dahinter liegen Fragen nach der Resilienz unser Städte, zukünftig sich verändernder Formen der Arbeit, Kapazitäten und Verfügbarkeit städtischer Infrastrukturen und schließlich auch die nach dem öffentlichen Raum.

Die „Corona-Ethnographien“ werden in der Form von Logbüchern verfasst und uns dazu dienen, zu diskutieren, wie unsere Gesellschaft auf veränderte Bedingungen eingeht, und wie dies ihre gegenwärtige Funktionsweise offenlegt. Sie können schriftliche, gezeichnete oder fotographische Dokumente sein. Voraussetzung ist eine außeruniversitäre Tätigkeit (bezahlt oder unbezahlt), die speziell im Zuge der Corona-Krise wahrgenommen wird. Tätigkeiten können durch die Professur nicht vermittelt werden, und sie sollten sicher, legal und versichert sein. Die Tätigkeit kann in München und Umgebung stattfinden, aber auch an anderen Orten, insbesondere falls man dort festsitzen sollte. Von den KursteilnehmerInnen wird erwartet, dass sie die jeweilige Tätigkeit reflektieren und dokumentieren. Gespräche, Interviews und Beobachtungen der Prozesse im Bezug auf den Metabolismus der Stadt spielen dabei eine zentrale Rolle.

Tätigkeiten können bereits jetzt unter diversen Links registriert werden, u.A. Clever Ackern

3 ECTS

Modul: Kritische Kartographie / Mapping

 

Corona Ethnographies

Field research during the crisis

Prof. Benedikt Boucsein

In the current situation, the question arises as to whether students - who are comparatively less at risk from the virus – should be involved with helping essential parts of our system operate. For example, they could help with the harvest, as seasonal workers cannot cross the border and farmers are running into serious issues. They could work as drivers for the disabled, as the regular volunteers are often themselves highly endangered by the corona virus due to their age. Or they could distribute food to the homeless, as these organizations have a similar problem. Also, some students currently have to carry out corresponding activities during the semester for financial reasons, which are usually not as well paid as their regular jobs.

We do not want to close our eyes to this reality, and we see in it an opportunity for field research. For example, working in the agricultural sector can help create a deeper understanding of the connection between the country and the city and to question certain aspects. Or an activity for disabled taxis could sharpen the perception of how this specific group perceives urban space and what obstacles are put in their way, especially in the current situation.

The "corona ethnographies" are conducted in the form of logbooks. They can be written, drawn or photographic documents. The prerequisite is a non-academic activity (paid or unpaid), which is specifically perceived in the course of the corona crisis. Activities cannot be arranged by the professorship, and they should be safe, legal, and insured. Activities can take place in Munich and the surrounding area, but also at other locations, also depending on where students may be stuck at the moment. Course participants are expected to reflect and document the respective activity. Conversations, interviews and observations of the processes and interactions should play a central role. Ideally, the work can also be used to build relationships that will endure and then be expanded after the crisis - especially with regard to the relationship between agriculture and the city.

Activities can already be registered under various links, e.g. Clever Ackern

3 ECTS

Module: Kritische Kartographie / Mapping