anticache

Wegbereiter der modernen Architektur

20.02.2011

Robert Vorhoelzer, Namensgeber des Vorhoelzer Forums, war der bedeutendste Vertreter moderner Architektur in Süddeutschland vor dem Nationalsozialismus


Bild: Robert Vorhoelzer bei der Grundsteinlegung zur Kirche Maria Königin des Friedens, © Architekturmuseum der TUM

 

Am 9. November 2010 wurde im TUM-Stammgelände das Vorhoelzer-Forum eröffnet: Sonnenterrasse, Foyer mit 20 mobilen Arbeitsplätzen, Veranstaltungsraum für 100 Personen, Café und Dekanat der Fakultät für Architektur. An den namensgebenden Architekten Robert Vorhoelzer (1884 bis 1954) und sein Werk erinnerte bei der Eröffnung des Forums Prof. Winfried Nerdinger, Leiter des Architekturmuseums der TUM:

Robert Vorhoelzer war der bedeutendste Vertreter moderner Architektur in Süddeutschland vor dem Nationalsozialismus. Nach dem Studium an der THM bei Friedrich von Thiersch und Theodor Fischer wurde er 1920 Leiter der Bauabteilung der Münchner Oberpostdirektion. Diese unterlag nicht dem Genehmigungsverfahren der konservativen bayerischen Baubehörden und konnte deshalb moderne Bauten in Bayern errichten. 

Vorhoelzer scharte eine Gruppe junger THM-Absolventen um sich, die als »Postbauschule« in ganz Bayern eigenständige Bauten schuf wie die Postämter am Goetheplatz und am Harras, die sich gut in den städtebaulichenKontext einfügen und mit ihrer ausgewogenen Proportionierung einen harmonischen Gesamteindruck vermitteln.

Zudem drückt sich in ihnen eine demokratische Haltung aus. In wilhelminischer Zeit waren Postbauten noch ein Spiegel behördlicher Macht; Vorhoelzer verwandelte die Schalterhallen in helle, offene Räume, in denen Postbeamte und Kunden nur durch eine niedrige Glasscheibe getrennt sind.

Die Leistungen Vorhoelzers fanden größte Anerkennung. Als es darum ging, diesen modernen Geist auch den Studenten der konservativ geprägten Münchner Architekturfakultät zu vermitteln, wurde Vorhoelzer 1930 vorgeschlagen und mit knapper Mehrheit berufen. Als Einziger vertrat er die Moderne und wurde dafür von den Studenten begeistert aufgenommen. 

Aber schon Anfang 1933 kamen mit den Nationalsozialisten diejenigen an die Macht, die moderne Architektur als »undeutsches, jüdisches und bolschewistisches Bauen« bekämpften. Es begann ein Kesseltreiben gegen den »Kunstbolschewisten« Robert Vorhoelzer, und schon zum 1. August 1933 wurde Vorhoelzer in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Die mutigsten, die sich für ihn einsetzten, waren die Studenten, die bei der Partei gegen seine Entfernung demonstrierten. Auch der Rektor versuchte zu vermitteln, aber von den Fakultätskollegen äußerte sich nur der emeritierte Theodor Fischer für ihn. Schließlich durfte Vorhoelzer zwar privat weiter bauen, aber nicht mehr unterrichten.

In dieser Zeit der Kaltstellung konnte er die Kirche Maria Königin des Friedens in Obergiesing errichten. 1939 wurde er zum Leiter der Architekturabteilung der Akademie der schönen Künste in Istanbul berufen. Doch auch dort holte ihn sein Engagement für die moderne Architektur ein: Wieder wurde er von einem Nationalsozialisten diffamiert und musste 1941 das Land verlassen. Nach der Zerschlagung des NS-Regimes machten die Alliierten Vorhoelzer wieder zum ordentlichen Professor an der THM. Im Januar 1946 wurde er zum Spezialkommissär für den Wiederaufbau der weitgehend zerstörten Hochschule bestellt und im Juli 1946 zum zweiten Rektor der wieder eröffneten Hochschule ernannt. 

Nach einer erneuten nazistischen Diffamierung enthob ihn die Militärregierung im Mai 1947 aller Ämter. Zwar wurde er ein halbes Jahr später voll rehabilitiert, aber er war ein gebrochener und verbitterter Mann. Zwei Jahre nach seiner Emeritierung starb Robert Vorhoelzer 1954 im Alter von 70 Jahren.

Text: Winfried Nerdinger

Aus: TUMcampus 1/11