Norwegische Stabkirchen - Bauforschung an den ältesten Holzkirchen Europas

Projektleitung: Dr. Andrij Kutnyi
Laufzeit: Februar 2018 - Januar 2021

Aus insgesamt 28 erhaltenen norwegischen Holzkirchen wurden für das geplante Projekt in Zusammenarbeit mit örtlichen Fachkundigen einige repräsentative Forschungsobjekte ausgewählt. Das Hauptziel des geplanten Projektes ist die bauforscherische Untersuchung von drei Stabkirchen. Durch die detaillierten Aufmaße der Kirchen und den Vergleich mit anderen Holzbauten soll ihre Einzigartigkeit oder eine eventuelle Verwandtschaft mit europäischen Holzbautraditionen erarbeitet und aufgezeigt werden. 

Wissenschaftliche Hilfskraft: Dipl.-Ing. Gerhard Feuersänger 2018-2019
Studentische Hilfskraft: Kilian Wolf 2018 - 2019; Carolin Hinnekeuser 2019

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen die ausgewählten Vertreter von Stabkirchen gleichen Bautyps, nämlich die Kirchen in Hopperstad (um 1131), Kaupanger (1183/84) und Borgund (1180/81). Diese drei gehören typologisch zum Bautyp der Stabkirchen mit erhöhtem Mittelschiff. In einer untereinander vergleichenden Analyse kann die konstruktive Entwicklung dieses Stabkirchen-Bautyps, nach einer Verifizierung der späteren Bauphasen ablesbar dargestellt werden. 

Ein weiteres Ziel des Projektes ist eine Aufarbeitung der Baugeschichte der Stabkirchen nach den heutigen wissenschaftlichen Standards, und die Vermittlung der Erkenntnisse an die Fachöffentlichkeit und die Besucher der Holzkirchen durch anschauliche 3D-Visualisierungen.

Zu Beginn des Projektes im Jahr 2018 wurden einige Kirchen dreidimensional mit Hilfe eines Laserscanners (Leica BLK 360) präzise vermessen. Die Dekorelemente und Farbgebung wurde mit dem SFM-Verfahren dokumentiert. Für die feiner detaillierten Bereiche bzw. die Dokumentation von Werkzeugspuren auf den Holzoberflächen wurde das RTI-Verfahren angewendet. 

Einer der Forschungsschwerpunkte ist die Konstruktionsanalyse. Resultierend aus dieser werden in Borgund die Bauabfolge und die Bauphasen ermittelt.

Unter anderem wird die konstruktive Zusammensetzung der Kirchenportale, ihre Funktion und damit verbundener Dekor detailliert betrachtet. So werden flankierende Figuren, das „Ungetier“, das vermutlich einen Zerberos verkörpert, mit ähnlichen Darstellungen an anderen Portalen verglichen und zeitlich zugeordnet. 

Die Forschungsergebnisse werden in einer Ausstellung im Visitor Center neben der Stabkirche in Borgund von August bis Oktober 2020 durch digitale Präsentationen, Banner und eine Broschüre vermittelt.

Das Forschungsprojekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderprogramms „Kleine Fächer – Große Potentiale“ finanziert.

Kooperationspartner:
Riksantikvaren - Denkmalbehörde Oslo
Fortidsminneforeningen