Vortragsreihe „über das neue bauen hinaus": Prof. Felix Wellnitz – „Licht, Luft und Sonne: Bauklimatik der Moderne am Beispiel des Hauses Schminke“

10.12.2019, 18.45h


Foto: Felix Wellnitz

Das 1930 bis 1933 im ostsächsischen Löbau für den Nudelfabrikanten Schminke und dessen Familie erbaute Haus Schminke von Hans Scharoun ist ein Juwel der internationalen Baukunst: Neben Mies van der Rohes Haus Tugendhat, Le Corbusiers Villa Savoye und Frank Lloyd Wrights Fallingwater zählt es zu den weltweit bedeutendsten Wohnhäusern der Moderne.
Das Haus Schminke ist heute nicht nur Museum und Veranstaltungsort, sondern kann auch für Übernachtungen gebucht und damit in seiner ursprünglichen Nutzung erlebt werden. Im Kontext des diesjährigen Bauhausjubiläums spielt es eine wichtige Rolle, obwohl –oder gerade weil- Scharoun kein Bauhäusler war. Die Stellung des zur Breslauer Schule gehörenden Architekten als moderner Visionär ist unbestritten und seine Architektur ist vielfach erforscht und dokumentiert. Im Haus Schminke tritt Scharoun mit experimentellen technischen Lösungen in Erscheinung: Der charakteristische Wintergarten mit schräg gestelltem Südfenster, die vom Architekten selbst entwickelte Fußbodenheizung und eine schwarze Natursteinfensterbank im Wohnzimmer, die Sonnenwärme speichert, belegen gleichermaßen Interesse und Kompetenz Scharouns für bauklimatische Zusammenhänge.
Seit der umfangreichen Sanierung im Jahr 2000 sind Schäden an Dachflächen, Fassaden, Terrassen und Außentreppen wieder oder neu entstanden. In enger Kooperation mit der Stiftung Haus Schminke sind im Vorfeld der Ertüchtigung zum Bauhausjahr mittels eines zweijährigen bauphysikalischen Monitorings und anhand eines kalibrierten Gebäudesimulationsmodells zum einen die Bausubstanz und deren thermisches Verhalten erforscht und zum anderen Auswirkungen möglicher Reparatur- und Ertüchtigungsvarianten realitätsnah untersucht worden. Im Ergebnis werden enge Wechselwirkungen der Baukonstruktion mit ihrer architektonischen und bauklimatischen Funktion klar.

„über das neue bauen hinaus. lernen aus dem umgang mit der moderne“ ist eine Veranstaltungsreihe der Professur für Neuere Baudenkmalpflege (Prof. Putz) und des Lehrstuhls für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft (Prof. Danzl) im Rahmen des Netzwerks reused.TUM

Wann
10.12.2019
18.45 – 20.15

Wo
Fakultät für Architektur
Technische Universität München
Ecke Gabelsbergerstr./Luisenstr. (Thierschbau)
Raum 2350 (Alte Architekturbibliothek)