Gespräch: Das Richtfunkgebäude auf der Zugspitze von Hans Maurer – Der Stein des Anstosses

In der Veranstaltungsreihe "AUS ERSTER HAND" sind im Rahmen der Ausstellung SHOW & TELL Hilde Strobl und Klaus Altenbuchner im Gespräch mit der Architektin Prof. Dipl. Ing. Karin Maurer über das 1973 erbaute Richtfunkgebäude auf der Zugspitze.


Der Ausbau der Telefon- und Fernsehverbindung nach Österreich und Italien erfordert  ab 1973 ein neues Richtfunkgebäude auf der Zugspitze; es müssen Antennen mit freier Sichtverbindung nach Süden (Cima Gallina/Patscherkofel) und nach Norden (Brauneck/München) aufgestellt werden. Das Grundstück der Bundespost ist ein steiler Felshang unmittelbar vor, bzw. unter der Terrasse des Münchner Hauses des Deutschen Alpenvereins (DAV), Teil der „geschlossenen, städtischen Bebauung“ auf dem Zugspitzgipfel.

Der Architekt Hans Maurer (1926 – 2001) wird mit der Entwurfsplanung beauftragt. Das erste Konzept sieht ein Technikgebäude aus leicht montierbaren Aluminium – Raumzellen, mit Antennenplattform nach Süden vor; zur Unterbringung der Nord – Antennen muss aber, wegen der erforderlichen Sichtverbindung, Grundstück und Haus des DAV überbaut werden, d.h. es muss zusammen mit dem Richtfunkgebäude auch ein Ersatzbau für den Bedarf des DAV erstellt werden. Das Konzept scheitert an den überzogenen Forderungen des DAV, der Bau einer Nord-Plattform erscheint damit unmöglich. Das zweite Konzept bringt die Lösung: Die Nord-Antennen stehen auf einer Brücke, die sich von einem Tunnel durch den Gipfel über das bayerische Schneekar spannt und bleiben somit unter dem Gipfelhorizont.

Nach Süden, unterhalb der Terrasse des Münchner Hauses, ist ein elementiertes, dreigeschossiges „Haus im Haus“ unter einer Hülle aus drei aneinandergereihten HP-Stabschalen aus Aluminium geplant; vor dieser Hülle stehen auf einer Plattform die Süd-Antennen; die Bundespost verpflichtet sich vertraglich, die Terrasse des Münchner Hauses im Rahmen des Bauvorhabens zu erweitern und zu erneuern. 1982 wird das Gebäude übergeben. 2007 erhebt der Deutsche Alpenverein (DAV) gegen die Deutsche Telekom AG Klage wegen erheblicher Baumängel an eben dieser Terrasse des Münchner Hauses. Sie erfülle bezüglich Wasserabführung, Gefälle wasserführenden Schichten, der Bodeneinläufe, der Schutzschicht der Abdichtung usw. zum Zeitpunkt der Planung, Ausführung und Überwachung nicht die geltenden technischen Regeln. Außerdem wird wegen gravierender Mängel in der Planung, grob mangelhafter Bauausführung und fehlerhafter Überwachung ein Organisationsverschulden der Deutschen Bundespost und somit eine 30-jährige Verjährungsfrist geltend gemacht. Per Streitverkündigungschrift gibt die Deutsche Bundespost Klage und Regressansprüche des DAV umgehend an den Architekten, bzw. an dessen Witwe, die Architektin Prof. Dipl. Ing. Karin Maurer, weiter. Diese begleitete das Bauvorhaben auf der Zugspitze von Beginn an: Als zuständige Referentin der Postbauabteilung führte sie Raumordnungsverfahren, Grundstücksuntersuchungen und  Verhandlungen u.a. mit dem DAV durch;  als „fachkundige Bauherrin“ schloss sie Verträge mit Architekt und Fachingenieuren und erarbeitete auch mit Hans Maurer das erste Entwurfskonzept.

Aus privaten Gründen (Heirat mit Hans Maurer) gab sie, um Interessenskonflikte zu vermeiden, die weitere Betreuung von Planung und Bauleitung des Projektes an ihren Kollegen Jürgen Bell weiter; als Ehefrau und Kollegin blieb sie aber bis zur Fertigstellung eng mit dem Bauvorhaben verbunden. In guter Kenntnis der Verträge, Werk- und Detailpläne konnte sie im Archiv des Architekturmuseums schnell Unterlagen und Pläne heraussuchen, die die Haltlosigkeit der Anschuldigungen eindeutig und schlagkräftig unter Beweis stellten. Die Klage des DAV wurde abgewiesen. Im Gespräch wird Karin Maurer in der Ausstellung SHOW & TELL über die Planungen und die Hintergründe des Prozesses berichten.

Wann
05.06.2014, 18h

Wo
Ernst von Siemens-Auditorium
Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne
Barer Straße 40, 80333 München