7. Forum Architekturwissenschaft: Figurationen von Gender im zeitgenössischen Architekturdiskurs

22.07.2021-23.07.2021


Das 7. Forum Architekturwissenschaft fragt nach dem gegenwärtigen Stand der Geschlechterforschung in unserer Disziplin und ihrer Verankerung in Forschung, Lehre und Praxis. Jüngst erleben Feminismus und Gender Studies ein Wiederaufleben sowie eine Neuausrichtung. Zwar gelten Gender- und Diversitätspolitik aufgrund ihrer rechtlichen und institutionellen Stellung in Unternehmen und an Hochschulen gemeinhin als etabliert. Empirische Studien zu Bildungs- und Karrierechancen sowie zur anhaltenden Lohnungleichheit belegen jedoch zugleich die schleppenden Fortschritte beim Abbau von Geschlechterunterschieden.

Nicht zuletzt ist die Geschlechterforschung zunehmend Angriffen aus dem konservativen Lager und der Neuen Rechten ausgesetzt, welche auf ihre wissenschaftliche und gesellschaftliche Delegitimierung einerseits abzielen und andererseits erworbene Rechte und das Umdenken in Bezug auf Geschlecht und Sexualität in Frage zu stellen suchen.

Für die Architektur mag ein solch ernüchternder Zustandsbefund noch stärker gelten als für andere Wissensgebiete. Ist die Geschlechterforschung vielerorts zu einem festen Bestandteil der Wissensproduktion geworden, so führt sie hier noch immer ein Schattendasein. Zudem halten sich Vorstellungen von einer Neutralität des Gebauten, ein gleichsam normatives Verständnis selbstbezogener Disziplinarität sowie primär männlich ausgerichtete Meister-Erzählungen besonders hartnäckig. Die Architekturforschung bezüglich Fragen von Körper, Geschlecht und Sexualität ist seit dem Aufkommen erster frauenspezifischer Untersuchungen der gebauten Umwelt vor etwa einem halben Jahrhundert zwar beträchtlich angewachsen und differenziert. Allerdings kann von einer Ankunft dieses Wissens im generellen Selbstverständnis der Architektur bislang keine Rede sein. Gleichzeitig ist der deutschsprachige Diskurs zu Gender, wie in anderen Bereichen der Kulturwissenschaften, allgemein weniger stark ausgeprägt als im angelsächsischen und angloamerikanischen Raum. Denkansätze an den Schnittstellen von Gender-, Critical Race- und Disability-Studies stellen aktuell Fragen bspw. zu Intersektionalität und stehen nicht zuletzt im Kontext zeitgenössischer aktivistischer Debatten; genannt seien #MeToo, die Frauenstreikbewegung, die Krise der Sorgearbeit sowie die Rechte von Women* of Color und von behinderten, queeren, trans*-, inter*- und nichtbinärgeschlechtlichen Menschen. Uns interessiert die Resonanz dieser Diskussionsfelder in der Architektur.

Das Forum erstrebt eine Positionsbestimmung von aktuellen Ansätzen der Genderforschung in der Architekturwissenschaft und möchte zu einer stärkeren Vernetzung von Forschenden – und somit der Stärkung der architekturbezogenen Geschlechterforschung – im deutschsprachigen Raum dienen. Außerdem soll das aus den Vorträgen gewonnene Wissen über gemeinsame Diskussionen zwischen verschiedenen Feldern (Geschichte – Praxis – Vermittlung) in Handlungsempfehlungen und Strategien für Ausbildung, Profession und Vermittlung von Architektur übersetzt werden.

ORGANISATION
Doris Hallama (TUM), Torsten Lange (TUM), Nathalie Bredella (UdK, Berlin)
Kontakt: forum2020@architekturwissenschaft.net 

PROGRAMM
DONNERSTAG, 22.07.2021

10:00                 Begrüßung und Einführung
Nathalie Bredella, Doris Hallama, Torsten Lange                    

10:30                 Podium Zukunftsperspektiven
F/OOLBOX. Lasst uns wieder einmal über nichtbinäres Denken in der Architekturlehre reden
Antje Lehn, Karin Reisinger, Roswitha Schuller, Martin Eichler, Christina Ehrmann, Mona Steinmetzer

BEYOND CLAIMING*SPACES
Inge Manka, Claiming*Spaces Kollektiv             

Intersectional feminism, mentoring and leadership
Neba Sere (via zoom)

12:00–12:30      Panel Diskussion
Moderation: Torsten Lange

12:30                  – Mittagspause –

14:00–15:15      Historiographie – andere Erzählungen I (Biographischer Fokus)
Das Coming-Out der Architektur: Die Biografien homosexueller Architekten samt einiger Anmerkungen zur Biografik
Uwe Bresan      

„Geheult – vor Glück und aus Angst“ –Darstellungen von Architektinnen in der DDR
Sophie Stackmann        

Lilly Reich’s Work in the Barcelona Pavilion – Intervention I
Laura Martínez de Guereñu

15:15–15:45      Panel Diskussion
Moderation:  Dietrich Erben

15:45                  – Pause –

16:15–17:30      Historiographie – andere Erzählungen II (Methodischer Fokus)
Second Wave Feminism in Universities: Towards a European Comparison
Rixt Hoekstra

Blind Spots. Elisions of Racial Politics in West German and American Histories of Women Architects from the 1970s and 1980s
Mary Pepchinski

Bauhaus Drag Party – Intervention II
Inés Toscano    

17:30–18:00      Panel Diskussion
Moderation: Cole Collins

18:15–19:30      Stadtspaziergang Queeres München mit Stefan Gruhne

19:30                 – Abendessen –

FREITAG, 23.07.2021

09:30–11:00      Historiographie – andere Erzählungen III (Objektbasierte Narration)  
Ganz andere Erzählungen: Feministische Materialgeschichten
Karin Reisinger                           

Für eine andere Architekturgeschichte in der Lehre
Sandra Meireis 

Eine feministische Genealogie am Beispiel des Küchenfensters
Lisa Marie Zander (via zoom)

Graphic Novel „Eileen Gray. A house under the sun“ – Intervention III (via zoom)
Charlotte Malterre-Barthes

11:00–11:30      Panel Diskussion          
Moderation: Nathalie Bredella

11:30                 – Mittagessen –

13:00–14:30      Körper- und Geschlechtlichkeiten in Technik- und Planungsdiskursen
„Die gegliederte und aufgelockerte Stadt“: Roland Rainer als Mitverfasser eines biopolitischen Städtebauleitbildes?
Waltraud Indrist

Geschlechterordnungen in maßstabsübergreifenden Assemblagen: Erkenntnisse für eine kritische räumliche Praxis
Xenia Kokoula

Möglichkeitsräume der Intersubjektivität
Katharina Voigt

14:30-15:00      Panel Diskussion
Moderation: Nick Förster

15:00                 – Pause –                                                  

15:30–17:00      „Raum an der Spitze?“ – Institutionsanalysen und -politiken
Frauen in großen schwedischen Architekturbüros
Meike Schalk

Warum werden in der Architektur mehr Männer als Professoren berufen?
Andrea Benze   

25 Jahre Lehrauftrag der Frauenbeauftragten an der Architekturfakultät der TUM – Intervention IV
Martina Günther                        

Together. Gender, Space and Social Action – Intervention V
Fanny Kranz, Sanne Pawelzyk (via zoom)          

17:00–17:30      Panel Diskussion
Moderation: Doris Hallama

17:30                 Architektur des Sorgetragens
Elke Krasny und Paula-Irene Villa, Positionen und Gespräch
Moderation: Hannah Knoop

18:30                 Ausklang

 

Wo
Oskar von Miller Forum
Oskar-von-Miller-Ring 25
80333 München