Lehrstuhl für Raumkunst und Lichtgestaltung

Neu-neue Sachlichkeit

Wir verstehen Entwurfslehre zumindest teilweise als das Herstellen von Zusammenhängen, wo man zunächst einmal keine vermutet oder auch keine sind. Diese Lücken erzeugen Reibung und fordern eigene Antworten, die nicht (nur) im reinen Nachahmen von (architektonischen) Referenzen liegen können, sondern bereits vom ersten Tag des Studiums eigene Antworten der Studierenden provozieren.

Wie unsere Forschungsansätze folgt diese Lehrmethode einer (künstlichen) Beschränkung oder gewissermaßen auch einer Verdrehung der Ausgangslage. Unser Forschungsinteresse selbst liegt in der Kombination von entwurfsmethodischen Fragestellungen und deren Untersuchung anhand konkreter Figuren, spezifischer Systeme und Teilbausysteme1 und schließlich gebauter Beispiele. Vor dem Hintergrund der ihnen zugrundeliegenden architektonischen und technologischen Bedingungen sollen Erkenntnisse über wichtige gesellschaftliche Fragen – mindestens aber stichhaltige Hypothesen dazu generiert werden. Unsere Forschungsmethode bezeichnen wir diesbezüglich als „typologischen Schnitt“ – nicht zu verwechseln aber mit einer Erforschung von (architektonischen) Typologien. Es geht zunächst lediglich um eine pointierte vergleichende Methode. Man schneidet an einer präzise formulierten Stelle durch die Wirklichkeit und vergleicht dann sozusagen die „Schnitte“ bzw. die erhaltenen Fragmente. Diese sind natürlich nicht notwendigerweise zeichnerisch-architektonische Schnitte – aber auch nicht ausgeschlossen. Im besten Falle ergeben sich daraus Fragestellungen für eine angewandte Forschung und die Entwicklung von (Teilbau-)Systemen.

Im teils semiwissenschaftlichen Bereich im Kontext der Lehre liefern derlei Betrachtungen zudem pointierte Erzählungen und letztlich zahlreiche Rückkopplungen auf den jeweiligen Stand von Gestaltung, Technik und Technologie und somit auf die „Werte“ einer Zeit selbst – die erhoffte Zukunft mit eingeschlossen.

„Architektur hat mit sehr vielen verschiedenen Sachen zu tun, wenn man jeder dieser Sachen gerecht wird, dann bedeutet „Sachlichkeit“ nicht Einheitlichkeit, sondern im Gegenteil Heterogenität.“2
Hermann Czech, 2018


www.ar.tum.de/lrl

 

1Teilbausysteme: Der Begriff entstammt einer gemeinsamen Forschungsarbeit mit Markus Wassmer, München 1999-2004
2Interview mit Hermann Czech, Solaris #1, 2018, Axel Simon, S.24