Baureferendariat

Das Institut für Entwerfen, Stadt und Landschaft bietet im Auftrag der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Inneren das Interdisziplinäre Seminar für die Baureferendare an. Das postgraduale Seminar ist wesentlicher Bestandteil der zweijährigen Ausbildung des zukünftigen Führungspersonals der bayerischen Staatsbauverwaltung.

Zum Referendariat können Diplomingenieure der Fachrichtungen Architektur, Bauingenieurwesen, Maschinenbau und Elektrotechnik mit überdurchschnittlichem Diplom, möglichst in Zusammenhang mit Berufserfahrung zugelassen werden. Die Ausbildung ist in den Fachgebieten Hochbau und Städtebau (Dipl.-Ing. für Architektur), Straßenbau und Wasserwirtschaft (Dipl.-Ing. für Bauingenieurwesen), Maschinenbau, Elektrotechnik und Technischer Umweltschutz (Dipl.-Ing. für Maschinenbau bzw. Elektrotechnik) möglich. Den Abschluss bildet die Große Staatsprüfung, die an der Obersten Baubehörde abgehalten wird. Mit Bestehen wird der Titel des Regierungsbaumeisters verliehen. 

Entsprechend einem übergreifenden Ingenieurverständnis werden die Teilnehmer im Seminar zu interdisziplinärer Arbeit in einem gemeinsamen, fachübergreifenden Verständnis für Baukultur angeleitet. Von Bedeutung sind dabei das Verständnis für gesellschafts- und rechtsgeschichtliche Grundlagen ebenso, wie soziale, ökonomische und ökologische Zusammenhänge, prozesshafte Planungsmethoden, gestalterische, funktionale und technische Qualitätssicherung sowie interdisziplinäre Entwicklungsstrategien.

Struktur

Das zehnwöchige Seminar ist thematisch in Doppelwochen gegliedert. In der jeweils ersten Woche liegt der Schwerpunkt auf der Wissensvermittlung durch Vorlesungen. Der Schwerpunkt der jeweils zweiten Woche liegt in Projektübungen.

Die Vorlesungen beschäftigen sich mit den Themen Grundlagen der Gesellschaft und des Rechts, Ökonomie, Ökologie, Managementverfahren sowie mit Theorien, Methoden und Instrumenten interdisziplinärer Stadt-, Regional- und Landschaftsplanung. Die Referenten kommen aus den Bereichen der Wissenschaft, Politik, Verwaltung und aus freien Büros. Durch ‚Periodika’, d.h. Referenten, die entsprechend den jeweiligen Themenschwerpunkten des Seminars, fortlaufende Vorlesungen aus ihrem Spezialgebiet abhalten, erfolgt die Grundlagenvermittlung. Dem zugeordnet finden ausgewählte Einzelvorträge zu den jeweiligen Vorlesungs- bzw. Übungsschwerpunkten statt. Die Vorlesungen sind innerhalb der Doppelwochen – soweit organisatorisch möglich – deduktiv angeordnet. 

Vorlesungsbegleitend werden von den Referendaren Projektübungen in interdisziplinär besetzten Gruppen bearbeitet. Die vorliegenden Projekte nehmen aktuelle, komplexe Fragestellungen der einzelnen Fachgebiete auf und werden hinsichtlich der Themen Soziales und Recht, Ökonomie, Ökologie, Management und Infrastrukturplanung bearbeitet. Die Übungen laufen jeweils über einen Zeitraum von zwei Wochen, wobei die erste Woche für die Grundlagenermittlung, Quellensichtung und Strukturierung der Aufgabe verwendet wird. Im Lauf der zweiten Woche liegt der Schwerpunkt in der interdisziplinären Entwicklung von Planungsszenarien und Realisierungsstrategien.