Lehrstuhl für Raumentwicklung

Luftliniendistanzen zwischen Arbeits- und Wohnort einer Gruppe von 7.000 Befragten im Raum München

Raumentwicklung ist Produkt aus dem Zusammentreffen von territorialer und funktionaler Logik. Auf der einen Seite stehen die Zielvorstellungen und Handlungen der öffentlichen Hand. Auf der anderen Seite existieren funktionale Entwicklungstreiber und daraus abgeleitete Standortanforderungen der privaten Haushalte und Unternehmen. Das Aufeinandertreffen und Überlagern beider Logiken lässt sowohl Befruchtungen als auch Konflikte entstehen, die sich im Raum ablesen lassen. Aus einer sozialwissenschaftlich und städtebaulich geprägten Perspektive begreifen wir diese Prozesse als konstitutiv für Forschung, Lehre und Dienstleistung in der Fakultät für Architektur. Öffentliches und privates Handeln müssen in ihrem wechselseitig bedingten Wirkungsgefüge analysiert werden, was zu unterschiedlichen räumlichen Analyseebenen führt. Ziel ist es, die Voraussetzungen und Auswirkungen städtebaulicher Eingriffe auf unterschiedlichen Maßstabsebenen besser zu verstehen und die Ressourcen und Potentiale für die Standortentwicklung in ihrer Interaktion zu begreifen.

Der Lehrstuhl legt einen Schwerpunkt auf die Betrachtung von Metropolregionen europäischen Zuschnitts, "Mega-City Regions", die durch die funktionale Vernetzung von Standorten in einer Region entstehen. Sie bilden in der sich ausbreitenden Wissensökonomie die Schnittstelle zwischen globalen Netzwerken und lokalen innovativen Milieus. Als funktionale und räumliche Einheit leisten sie einen wesentlichen Beitrag, um metropolitane Lebens- und Wirtschaftsräume langfristig zukunftsfähig zu gestalten.

Eine erfolgreiche Steuerung der Raumentwicklung erfordert das Erkennen der systemischen Zusammenhänge zwischen dem Problembewusstsein, den Organisationsstrukturen, Produkten und Prozessen die einen Ort prägen. Die Schaffung eines Problem- und Akteursbewusstseins - Awareness - ist die Voraussetzung für die Entwicklung geeigneter Maßnahmen - Products - in einzelnen sektoralen Themenfeldern. Für deren Umsetzung sind dann adäquate Steuerungsverfahren - Processes - zu verstehen, auszuwählen und weiterzuentwickeln. Analyse, Visualisierung, Kommunikation sind als methodische Bausteine in dieser Wertschöpfungskette zu verstehen.

Unser Selbstverständnis dokumentiert den Bedarf an und das Bestreben zu transdisziplinärer Arbeit zwischen Architektur und Landschaftsarchitektur, Städtebau, Raumplanung und Wirtschaftsgeographie. Eine kohärente und wirkungsvolle räumliche Strategie für einen Ort bringt diese Fachrichtungen Mehrwert schaffend zusammen und leitet aus der räumlichen Analyse Ergebnisse für die Gestaltung, Umsetzung und Kommunikation ab. Der Lehrstuhl für Raumentwicklung lotet diese komplementären methodischen Ansätze der beteiligten Fachdisziplinen aus und bringt sie produktiv ins Gespräch. 

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