Professur für Entwerfen und Holzbau

„Strukturmodell Holz-Hochhaus Vancouver“, Foto: Matthias Kestel

Ein Baustoff, der seit Beginn der Moderne fast in Vergessenheit geraten ist, beginnt sich wieder im gegenwärtigen Baugeschehen und zunehmend im städtischen Bewusstsein zu etablieren. Galten lange Zeit Stahl, Glas, Ziegel und Beton als Inbegriff moderner Baukunst, so bereichert nun das wahrscheinlich älteste Konstruktionsmaterial die Architektur der Gegenwart. Die Renaissance des modernen Holzbaus begann Anfang der 1990er Jahre - seit diesem Zeitpunkt geht diese Entwicklung kontinuierlich weiter.

Ein vertrautes Material präsentiert sich in einer neuen Vielfalt. Laufende Forschungen haben enorme Entwicklungen und Verbesserungen in Bautechnik und Anwendung bewirkt und computergestützte Berechnungs- und Fertigungsmethoden eröffnen völlig neue Formen der Gestaltung. Ein alt bekannter Baustoff liefert somit innovative und interessante Beiträge zur Architektur der Gegenwart, die überall auf der Welt entstehen und die bis vor kurzem so nicht denkbar waren.
Das Bauen mit Holz gibt klare Antworten auf drängende Fragen des Klimawandels. Einerseits speichern Holzbauten in der Konstruktion das klimarelevante Gas Kohlendioxid und ersetzen gleichzeitig durch die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffes energieintensive konventionelle Baustoffe. Holz ist zum Symbol für Nachhaltigkeit und ressourcenschonendes Bauen geworden. So wird in kaum einen anderen Baustoff mehr Hoffnung auf die Lösung umweltrelevanter Probleme der Bauindustrie gelegt. 

Die Faszination des Werkstoffes liegt in der vielfältigen Verwendbarkeit verbunden mit der lokalen Verfügbarkeit. Ein Material das von großen Tragwerken bis zu Möbeln schon seit Jahrhunderten seine Eignung bewiesen hat, praktisch vor der Haustüre wächst und nach wie vor für viele Menschen mit großem Wohlbehagen verbunden ist. Moderner Holzbau muss über diese Kriterien hinaus zusätzliche Anforderungen erfüllen, die in Lehre und Forschung im Fokus liegen. Es geht vorrangig um die Angemessenheit der Konstruktion, die entwerferische Antwort zu Baukörper, Aufgabe, Ort und Komposition, das materialgerechte Fügen sowie die effiziente Erfüllung von Aufgaben in technischer und funktionaler Hinsicht. Hierbei ist eine rationale, nachvollziehbare und transparent gehaltene methodische Vorgehensweise in der Lehre unumgänglich um den komplexen Entwurfsprozess zu vermitteln.

www.holz.ar.tum.de