Lehrstuhl für Baurealisierung und Baurobotik

Baustelle "Smart Nagoya", Japan

Der Lehrstuhl deckt ein breites Forschungsspektrum im Bereich des soziotechnisch integrierten Einsatzes neuer Technologien – insbesondere Robotik und Mechatronik – im Alltag (Bauprozess, Gebäude, Stadt, Infrastruktur, Design) ab. Der Begriff des „Robot Oriented Design“ wurde 1988 erstmals vom Lehrstuhlinhaber veröffentlicht und steht für ein technologisch-planerisches Konzept, das die Basis für mittlerweile über 50 Bausysteme, 25 automatisierte Hochbaustellen und zahlreiche Servicerobotersysteme darstellt.

Den Lehrstuhl zeichnet eine starke interdisziplinäre Ausrichtung aus, die auf die Ausweitung der Kernkompetenzen von Architektur, Städtebau und Bauwesen abzielt, um so auf die stattfindenden Veränderungen technologischer, gesellschaftlicher und ökologischer Rahmenbedingungen reagieren zu können. Er koordiniert den neu eingerichteten interdisziplinären Masterstudiengang Advanced Construction and Building Technology (M. Sc., Studiensprache: Englisch). Im Auftrag der Russischen Akademie begleitet der Lehrstuhl zudem eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Entwicklung zukünftiger Städte und Infrastrukturen beschäftigt.

Der Lehrstuhlinhaber forscht seit 25 Jahren auf dem Gebiet der Baurobotik, gilt als deren Mitbegründer, war u. a. Präsident des „International Association for Automation and Robotics in Construction“ bis 2007 und hat über 250 Veröffentlichungen, vorwiegend auf diesem Gebiet, verfasst. Außerdem ist er Mitglied in Redaktionsbeiräten wie z. B. „Robotica“, Cambridge University Press, „Automation in Construction“, Elsevier u. v. m. Da Architektur auch zunehmend Mechatronik, Mikrosystemtechnik und Robotik in unsere Lebensumgebungen integriert, bilden die Themenfelder „intelligente Umgebungen“ und „Interaktion mit intelligenten Umgebungen“ heute einen Schwerpunkt in Lehre und Forschung.

Der Lehrstuhl ist seit der Entstehung des Innovationsfeldes „Ambient Assisted Living“ im Programmkomitee der Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) tätig und war auf allen deutschen AAL-Kongressen mit eigenen Sessions vertreten. Die Entwicklung modularer und flexibler Systeme zur Einbindung verschiedenster ICT- und robotikgestützter Sub-Systeme in das Wohnumfeld hat am Lehrstuhl Tradition.

Aktuelle Forschungsprojekte mit AAL-Bezug:

  • Easy Aging in Japan – Mikrosystemtechnik und Ambient Assisted Living:
    Studie für das BMBF im Auftrag der VDE/VDI-IT GmbH, 2008/2009
  • LISA Smart Walls– Living Independently in Südtirol Alto Aldige, Fördergeber: Stadt Bozen, Förderkennzeichen: Dekret des Landesamtes vom 01.04.2010, Nr. 125/34.1; S. 27, Pkt 63., 2010-2012
  • GEWOS – Gesund Wohnen mit Stil. Förderkennzeichen: BMBF - 16SV3976a, BMBF-Projekt, 2010-2013
  • PASSAge - Personalisierte Mobilität, Assistenz und Service Systeme in einer alternden Gesellschaft. Förderkennzeichen: V4MOB059, 2012-2015

Internationale Kooperationsprojekte mit Bezug zum demografischen Wandel:

  • EACEA-ICI Education Cooperation Programme, Förderkennzeichen: 168289-BE-2009-ICI, 2009-2013
  • AUSMIP+ (Architecture and Urbanism Mobility International Program), Erasmus Mundus, 2012-2015

Der Lehrstuhl und die Gruppe „TUM AIR“ (Ambient Innovation Robotics) greifen solche Entwicklungen auf und versuchen neue (an der TUM entwickelte) Technologien für die häusliche Umgebung zur Unterstützung bei Tätigkeiten im Alltag nutzbar zu machen und damit auch Lösungen im Hinblick auf den demografischen Wandel zu bieten. Der interdisziplinäre Verbund aus TUM-Wissenschaftlern und Wirtschaftsvertretern sieht darin große Chancen für die Zukunft. TUM AIR bereitet Studierende und Doktoranden auf Berufsfelder im interdisziplinären Bereich zwischen Architektur, Bauwirtschaft, Elektrotechnik, Informatik, Robotik, Mechatronik, Medizin- und Gerontotechnik vor. Am Lehrstuhl für Baurealisierung und Baurobotik entwickeln verschiedene AIR-Projektgruppen Konzepte und Lösungen für intelligente und anpassbare Lebensumgebungen. Zu den Kooperationspartnern der AIR-Gruppe gehören u. a. der Lehrstuhl für Medientechnik (Prof. Steinbach, Prof. Kranz; „Ubiquitous Computing“, „Human-Machine-Interfaces“), der Lehrstuhl für Angewandte Informatik/ Kooperative Systeme (Prof. Schlichter) sowie der Lehrstuhl für Robotics and Embedded Systems (Prof. Knoll).Die Kooperation mit ausländischen Forschern und Studierenden ist Alltag am Lehrstuhl, wo Wissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen und mit verschiedenen kulturellen Hintergründen zusammenarbeiten. Im neuen englischsprachigen Masterstudiengang Advanced Construction and Building Technology sind Studierende aus zehn Fachbereichen und zwölf Nationen vertreten. Ebenfalls entwickelten am TUM-Lehrstuhl koreanische Postdocs Baurobotersysteme, die nun in Korea zum Einsatz kommen und letztlich zum Aufbau der ersten koreanischen automatisierten Hochbaustelle führten. Auch japanische, indische und russische Gastwissenschaftler sind oft am Lehrstuhl anzutreffen.

www.br2.ar.tum.de