Lehrstuhl für Raumkunst und Lichtgestaltung

Die Theorie und Praxis des Lehrstuhls für Raumkunst und Lichtgestaltung orientiert und justiert sich an einem klassischen Thema: am leeren Raum, der durch die beiden Königsmittel der Architektur gestaltet und belebt wird – durch Wand und Licht. Aus der Polarität, der Spannung, der Korrelation von Baumasse und umbauter Leere, von Innen und Außen, von Licht und Schatten, formuliert unsere Arbeit in Lehre und Forschung ihre aufgaben, ihren Anspruch und ihre Erkenntnisse.

Die kalkulier- und nachweisbaren Parameter des Bauens (also alles, was gemessen, gewogen, geprüft und überall und jederzeit reproduziert werden kann) sind deshalb nur die faktischen Ausgangspunkte unseres Programms. Was dieses Programm vor allem anderen anstrebt, ist: die An-Schauung, die Wahr-Nehmung zu schulen, die vielfältigen Ausdrucks- und Gestaltungsmittel unseres Fachs zu analysieren und deren objektive und subjektive Implikationen zu entschlüsseln – somit eine Architektur zu beschreiben, die stets auch persönliche, affektive Bewertungen und Entscheidungen verlangt. Es ist ein dynamisches, kein statisches Konzept, und seine Lehrinhalte stehen im interdisziplinären Dialog mit der Kunstgeschichte, der Philosophie und anderen Geisteswissenschaften.

Wie die Lehre wird sich auch die Forschung auf die Analyse exemplarischer Bauwerke, ihre Entstehung, ihre Rezeption und ihre architektonischen Besonderheiten konzentrieren. Die „Welt“, schrieb Paul Valery, „hat durch ihre Extreme Wert und durch ihre Mittelmäßigkeit Bestand“ – in der Architektur scheint sich beides zusammenzufügen: Bestand hat hier über die Zeiten nur das Ungewöhnliche, Außerordentliche, jene Norm und das Bekannte überschreitenden Visionen und Projekte, die für ihre Urheber ebenso stehen wie für die Zeit und die Kultur, die sie ermöglicht hat. Unter welcher persönlichen, sozialen, ökonomischen und geistesgeschichtlichen Bedingungen diese Bauwerke entstanden sind, wie sie geplant, entwickelt und beendet wurden, vom ersten Schritt (inklusive des „horror vacui“, der architektonischen Schwellenangst vor dem leeren Blatt) bis zur endgültigen Integration in ihr Umfeld, dies soll erarbeitet und dokumentiert werden und als Ausgangspunkt, Leitfaden, theoretischer Überbau in die eigenen Überlegungen und Arbeiten einfließen. Dies alles vor dem Hintergrund und mit besonderer Berücksichtigung jener dialektischen Spannung von Wand und Raum, Innen und Außen, Licht und Schatten.

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