Lehrstuhl für Nachhaltige Entwicklung von Stadt und Land

Landraum und Luftbild, Leidorf 2007


Paradigmenwechsel in periurbanen Siedlungssystemen und Baugefügen

Die Kraft der Kulturlandschaften ist aus den gebrauchsorientierten Korrespondenzen von Landnutzungssystemen, Wegenetzen und Siedlungskonzepten mit den natürlichen Daseinsgrundlagen entstanden. In der Regel eindimensionale Veränderungen führen zu Störungen im Gleichgewicht der Kräfte und haben umfängliche Zerstörungs- bzw. Veränderungsprozesse zur Folge. Diese Eingriffe und Veränderungen in Beziehung zum Gesamtsystem der räumlichen Gefüge sind zu analysieren und zu bewerten. Neue Kulturlandschaften, Siedlungssysteme und Baugefüge bedürfen für eine räumlich-architektonische Inwertsetzung und Produktion ganzheitliche und gleichzeitig differenzierte Leitsysteme. Die Fragen der Begrenztheit der natürlichen Ressourcen spielen dabei eine herausragende Rolle, ebenso wie die Belastbarkeiten kultureller Werte.

Rurale Kontexte und Primärproduktion
Rurale Kontexte sind geprägt durch das Zusammenwirken primärer Arbeitsbereiche mit anderen – d.h. Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Energiewirtschaft treten in Verbund mit Gewerbe, Dienstleistung, Tourismus. Roland Rainer definiert den ruralen Kontext: "Wir sollten das Wesen des Dorfes nicht nur in bestimmten Hausformen sehen, das Dorf nicht nur als Ansammlung alter Bauernhäuser, die oft gar nicht mehr von Bauern bewohnt sind, sondern als das gedankliche Modell eines Siedlungskonzeptes, das höchste Lebensqualität mit allergeringstem Aufwand an Energie und Ressourcen erreicht." Zu erforschen sind die Fragen der Rohstoffproduktion, ihre Einbringung in sinnvolle Kreislaufsysteme und die sich daraus ergebenen Folgen für Architektur und Siedlungssysteme.

Begrifflichkeiten rural-urbaner Raumwahrnehmung
Die Konturen ehemals klar definierter Räume verschwimmen: Stadt und Land gehen ineinander über oder tauschen sich sogar aus. Die Raumbeobachtung steht in ständigem Spannungsfeld zu institutionalisierten und kodifizierten Begrifflichkeiten. Neue Begrifflichkeiten bilden Raumveränderungen ab und lösen Planungs- und Bewusstseinsprozesse aus, wie z.B. die Bezeichnungen Metropolitanregion oder Stille Zonen. Die Prozesse von raumrelevanten Begriffsverschiebungen und -neubildungen beruhen nicht nur auf veränderten analytischen Methodiken, sondern auch auf einer verstärkt kommunikativen Ausrichtung von Planung generell.
Die von Studio Basel eingeführten Begriffe für eine Portraitierung der Schweiz führen derzeit zu intensiven Neubestimmungen der Räumlichkeiten. Dabei bilden folgende Begrifflichkeiten Ausgangspunkte für wissenschaftliche Fragestellungen: Landrand - Stadtrand. Außenbereich - Innenbereich. Lokal - Global. urban – rural. (Matthias Reichenbach-Klinke, Jörg Schröder, 2006)

www.land.ar.tum.de