Lehrstuhl für Bildende Kunst

„Wäschespinne“, 2016, Anabel Romero Moscoso. Qualitäten an den Rändern der Stadt, Neuaubing-Westkreuz

Sich verschiebende Ordnungskriterien im globalen Weltsortiment erfordern Selbstgewissheit und bewusste Individuation. Stimmigkeit, Authentizität und Selbstbewusstheit ersetzen veraltete Gestaltungsnormen. Gute Gestaltung erfordert Erfahrung und die reife Persönlichkeit, um zwischen allem Möglichen und dem ästhetisch Nötigen zu unterscheiden. Die Notwendigkeit der freien Selbstformulierung in der Architekturausbildung jenseits des Anwendungsbezugs erfordert und fördert ein hohes Maß an Freiheit und persönlicher Verantwortung. Spielraum ist nötig. Im künstlerischen Experiment entsteht Raum für Visionen, neue Sichtweisen und Erkenntniswege: Raum für mentale Flugproben.

Personennah begleiten wir unsere Studierenden bei diesem Prozess: Wahrnehmung, Zeitgeschehen, Gestaltungsneugier, Material, Experimentierfreude - im Wechselspiel entwickeln sich eigene Ideen, die als Konzentrat persönlicher Sicht präzise, künstlerische Form werden.

Der Lehrstuhl setzt künstlerische Methoden, Werkzeuge und Techniken der Kunstproduktion ein, um den Kontext architektonischer Fragen von Material, Raum, Ort, Stadt oder Landschaft zu beleuchten und zu analysieren. Bedürfnisse, Tendenzen und Bestrebungen oder auch nur vage Ahnungen, werden in zeitgemäße Bildsprache artikuliert. Bei dieser ästhetischen Forschung entstehen künstlerische Produktionen und Kunstwerke. Dennoch unterscheidet sich die Kunst – obwohl sie originär forschend und erforschend tätig ist - ganz grundlegend von wissenschaftlichen Forschungsbegriffen und Methoden. Statt Allgemeingültigkeiten entfaltet sie persönliche, ungewöhnliche Bilder und Sichtweisen, statt gültiger Erkenntnisse stellt sie Fragen oder vermittelt Ahnungen. Obwohl man die Kunst häufig seismographisch verpflichten will, bleibt sie unberechenbar, verunsichernd und dadurch eventuell visionär.

Ortsbezogene künstlerische Rauminterventionen bilden einen unserer Schwerpunkte an der Schnittstelle zwischen Gesellschaft, Städtebau, Architektur und Kunst. Insitu sammeln die Studierenden hautnah gesellschaftliche Erfahrungen und entwickelten ihre persönlichen Visionen vor Ort, die wir mit internen und externen Ausstellungsveranstaltungen und Publikationen regelmäßig einer interessierten Öffentlichkeit zur Diskussion stellen. In diesen Impulsen sehen wir unseren Beitrag zur künstlerischen Form der Forschung. Damit liegt unser Diskurs im Kontext der TUM an der Schnittstelle zwischen der Gesellschaft, dem Individuum und den Technikwissenschaften.

Forschungsschwerpunkte:
Qualitäten an den Rändern der Stadt
Die Projekte „Heimvorteil“ und „Tandem“ (siehe Projekte auf der Lehrstuhl-Website): Im Sanierungsgebiet Neuaubing/Westkreuz Neuaubing- Westkreuz untersuchten wir vor Ort mit interaktiven künstlerischen Projekten die Möglichkeiten von partizipatorischen Ortsanalysen und Ortsveränderungen. Welche Fragen stellt der Ort? Was ist das Typische, Unverwechselbare an in einem Ort, was sind seine Qualitäten? Wer wohnt hier? Was fehlt? Was kann weg? Analytische, persönliche und poetische Blickrichtungen bieten sowohl Anwohnern als auch einem Fachpublikum neue Anknüpfungspunkte für eigene Bilder, neue Möglichkeiten und Visionen. Die Projekte wurden gefördert von Bund, Freistaat Bayern und der Landeshauptstadt München im Städtebauförderungsprogramm: Leben findet Innenstadt – Programm Aktive Zentren.

Künstlerische Raumintervention als Analyse von Atmosphären
„Der Doppelte Blick“ - Ortstermin Burghausen In Kooperation mit dem Lehrstuhl für Baugeschichte, Historische Bauforschung und Denkmalpflege Prof. Schuller, untersuchten wir auf Exkursionen der letzten drei Jahre die Stadt Burghausen. Der historische Ort und seine Gebäude, inklusive Dachböden und Keller, werden aus zweierlei Blickrichtungen befragt: dem rekonstruktiv-analytischen Blick der Bauhistoriker und dem künstlerischen Blick, der das Entstehen von Atmosphären untersucht. Die Ausstellung „Der Doppelte Blick“ mit dem Untertitel „Ortstermin Burghausen“ gibt einen Überblick der Ergebnisse aus den letzten drei Jahren. Im Kirchenschiff der Studienkirche entstanden neue, raumbezogene Installationen, die sich mit der Raumwirkung auseinandersetzten. Im Stadtraum waren weitere künstlerische Projekte installiert, die neue Sichtweisen auf den alten Ortskern ermöglichten. Die dreiwöchige Ausstellung zeigte neben Filmen, Diashows, Performances und interaktiven Projekten auch Handzeichnungen der Baugeschichte.

Künstlerische Experimente mit Licht
Unsere Studierenden erforschten die kommunikativen Möglichkeiten des künstlerischen Einsatzes von LED - Lichttechnologien. Anlässlich des LIO 2016 – dem Light Art Awards der Firma Osram unter dem Titel „Light is experience. Entertaining arts“ entwickelten wir mit dem Lehrstuhl für Raumkunst und Lichtgestaltung von Hannelore Deubzer und in Zusammenarbeit mit mehreren internationalen Hochschulen Ideen, worin die kommunikativen Aspekte der LED – Technologie einen künstlerischen Ausdruck finden sollten. In Zusammenarbeit mit OSRAM wurde hier als erster Preis die Arbeit „5. Dimension“ entwickelt, in der das Mterialhafte des Lichtes völlig neu zum Vorschein kommt.

 

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