Lebende Brücken

Die lebenden Wurzelbrücken in Nordost-Indien sind gewachsene, funktionale Strukturen aus den Luftwurzeln des indischen Gummibaums (ficus elastica). Die Völker der Khasi und Jaintia in Süd-Meghalaya haben eine Vielzahl von Techniken entwickelt, die Wachstumsphasen des Gummibaums zu nutzen. Die gewachsenen Brücken verbinden Häuser, Felder, Dörfer und Märkte. Diese Übereinstimmung zwischen konstruktiven Zielen und den Phänomenen natürlichen Wachstums liefert wichtige Erkenntnisse für das erfolgreiche Entwerfen mit lebendem Material.

Das Entwerfen mit botanischen Strukturen erfordert ein Verständnis auf einer Reihe von Ebenen: die Entstehung von Zugholz während einer frühen Phase des Wachstums; die morphologische Anpassung einzelner Wurzeln; die Verwachsung und Verzweigung der Wurzeln, und die potentielle Wachstumsdichte der entsprechenden Baumart, müssen alle als Entwurfsparameter herangezogen werden. 

Zum Forschungsprojekt “Lebende Brücken” arbeitet die die Professur für Green Technologies in Landscape Architecture mit der Plant Biomechanics Group der Universität Freiburg, dem Department of Environmental Science der Universität Kalkutta und dem Institute for Building Structures and Structural Design (ITKE) der Universität Stuttgart zusammen. Der Fokus des aktuellen Forschungsprojektes liegt auf dem Verständnis des Lebenszyklus von lebenden Brücken sowie ihrer wichtigen strukturellen Charakteristiken; vom Pflanzen eines Baumes, über das Wachstum wesentlicher Bestandteile, hin zu Zerfall und Regeneration. Ziel des Projektes ist, die Instandhaltung und Reparatur der lebenden Brücken voranzutreiben, die Techniken auf andere Orte zu übertragen und von den Strukturen und Prozessen auf verschiedenen Ebenen für unser heutiges Bauen zu lernen.