Assistant Professorship of Recent Building Heritage Conservation

Picture: Margret Hoppe (www.margrethoppe.com)

Baudenkmalpflege befasst sich mit der Erfassung und Erhaltung des baulichen Erbes. Instandhaltung und Instandsetzung, Baureparatur, Restaurierung und Konservierung des Baubestands setzen Befunduntersuchungen, historische Recherche, Dokumentation, Schadens- und Gefährdungsanalysen und diskursives Abwägen voraus, damit angemessene, bestandsgerechte Lösungen in jedem Einzelfall gefunden werden können.
Auch die Neuere Baudenkmalpflege geht grundsätzlich vom Bauwerk aus und sucht nach Möglichkeiten und Potentialen angemessener und nachhaltiger Erhaltung. Die ihr eigenen Fragestellungen ergeben sich aus drei Perspektiven auf den neueren Bestand:

Die materielle Substanz der Bauwerke der jüngeren Vergangenheit ist zunehmend in industrialisierten Planungs- und Bauprozessen hergestellt worden. Gegenüber dem bewährten, bauhandwerklich erzeugten Bestand ergeben sich aus den Besonderheiten serieller Produktion; (Teil-)Vorfertigung montagefertiger Bauelemente und Bausysteme; rasch alternder synthetischer Baustoffe; standardisierter Konstruktionen und zeitgenössischer Baunormen neue Herausforderungen.

Die Bauwerke der jüngeren Vergangenheit zeichnen sich durch verstärktes Bestreben der Kontrolle und Regulierung von Umweltfaktoren aus. Umfangreiche Infrastrukturen und umfassende gebäudetechnische Installationen erlaubten die Gestaltung abgeschlossener, eigenständiger Umweltsysteme. In der geläufigen denkmalkundlichen Erfassung des jüngeren Baubestands findet dies bisher jedoch nur bedingt Berücksichtigung, gegenüber dem unreflektierten Ersatz des gebäudetechnischen Ausbaus fehlen baudenkmalpflegerische Ansätze.

Während bei älteren Bauwerken frühere Veränderungen als konstitutiv für das Baudenkmal bewahrt werden, ist im Umgang mit den Baudenkmalen der jüngeren Vergangenheit eine Tendenz zur Reproduktion der entstehungszeitlichen Erscheinung festzustellen, unter Preisgabe der materiellen Substanz. Baudenkmalpflege hingegen begleitet die fortlaufende Veränderung der Bauwerke mit dem Ziel möglichster Erhaltung. Die theoretischen Grundlagen eines baudenkmalpflegerischen Umgangs mit dem jüngeren Baubestand sollen aus der kritischen Reflexion der laufenden Praxis heraus weiterentwickelt werden. 

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